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Predigt am Tag der Apostel Petrus und Paulus, Sonntag, 5. Juli 2009

 

„Gedächtnisfeier für Michael Jackson und die Apostel Petrus und Paulus“

 

 

Liebe Gemeinde,

 

von Michael Jackson ist in diesen Tagen viel die Rede. Obwohl ich kein Fan von ihm bin, habe ich auch seinen tragischen Tod und alles, was darüber berichtet wurde, in der Presse verfolgt. Es ist ein schwerer Verlust für seine weltweiten Fans.

Einige hundert Anhänger sind sogar so mitgenommen von seinem Tod, dass sie ihm nun in den Tod folgen möchten. Zumindest berichten das die Medien.

Michael Jackson war seit seiner Kindheit eine öffentliche Persönlichkeit und mit seinem Leben und mit seiner Musik ist viel Geld gemacht worden. Und andere haben auch für ihn bestimmt, was und wie er sich zu verhalten hat, damit er für viel Geld vermarktet werden kann.

Viele haben von seiner Berühmtheit profitiert, und ihn auch für ihre Zwecke missbraucht. Selbst seine Angst vor dem Tod hat man medienwirksam vermarktet, und er und andere haben ihre Geschäfte damit gemacht.

Über Jahre hinweg hat der „König der Popmusik“ seine Fans mit seinem Auftreten und seiner Musik begeistert. … Die Fans haben ihn gebraucht, denn er hat ihr Leben beflügelt und sie haben in seiner Musik Begeisterung und auch Halt gefunden. … Und für diese Fans war Michael Jackson ein „Heiliger“, einer, der ihnen Trost und Heil gegeben hat, mit seinen Songs und auch mit seinem Auftreten auf der Bühne. … Seine zahlreichen Fans haben ihm dafür gedankt, indem sie ihm ein fantastisches Vermögen geschenkt haben. Ohne sie wäre Jackson ein ganz normaler Sterblicher geblieben: Ohne Fans kein Erfolg und hohe Einschaltquoten im Fernseher. … So läuft das bei diesem Geschäft.

Nun ist er – wie jeder normale Sterbliche – gestorben. … Und nun soll Michael noch einmal groß herausgeputzt werden:

In einem goldenen Sarg wird er beerdigt. Entsprechend einem „Heiligen“ wird er in die Ewigkeit verabschiedet. Und für den seelischen Beistand für die Fans ist auch der berühmte Menschenrechtler und Prediger Jessie Jackson bemüht worden. Und er selber ist darum bemüht, immer wieder den Menschen Michael Jackson und eigentlich seine bemerkenswerte Leistung in den Vordergrund zu schieben. Er möchte gerne Michael Jackson als Menschen sterben lassen und es den Fans ausreden, ihn als einen „Heiligen“ zu verherrlichen. Der Theologe Jackson weiß, dass der „König der Popmusik“ als Mensch nicht mit einer erfundenen „Gottheit“ verwechselt werden sollte.

Ob Michael Jacksons Fans das auch begreifen, wird sich noch zeigen. Ich bin gespannt, was daraus wird.

Eine ganz andere Sensation hat für einen Tag die Berichte in den Medien beherrscht: Vielleicht haben Sie es ja auch gelesen und im Fernseher gesehen.

Das Grab des Apostel Paulus ist entdeckt worden. So wird es uns aus Rom berichtet. Im Jahre 67 n. Christus, also in den Anfängen des Christentums, wurde Paulus dort in einem steinernen Sarg bestattet.

So ist uns das überliefert worden.

Gemeinsam mit dem anderen großen christlichen Apostel Petrus, der ein Jünger Jesu war, wird den Aposteln Paulus und Petrus am 29. Juni in allen christlichen Kirchen gedacht. Modern gedacht könnte man sagen:

Die christlichen Fans feiern die Apostel Petrus und Paulus. Wir Menschen brauchen Erinnerungs- und Festtage, um uns klar zu machen, was für uns Christen wichtig ist.

So ähnlich wie die Fans von Michael Jackson ihren „Heiligen“ verehren und ihm eine besondere Grabstätte errichten wollen, so haben auch wir Christen das Bedürfnis, uns an bestimmten Tagen im Jahr an unsere Heiligen zu erinnern.

Was hat also Michael Jackson mit den Aposteln Petrus und Paulus gemeinsam?

Der eine ein großer Tänzer und Musiker, umworben von vielen Fans in der Welt, von den einen geliebt von den anderen gehasst. In viele Skandale verwickelt und sogar für den Verdacht auf Kindesmissbrauch verurteilt.

Seine Fans haben ihm das alles verziehen. Für sie ist er eine wichtige Person, über die sie sprechen und den sie anbeten können. Sie werden zu Tausenden an sein Grab pilgern, dort Blumen niederlegen, und auch ihre Kinder und Enkel dorthin führen. Sie werden auch weiterhin seine Musik hören und ihn auf Videos sehen.

So ähnlich ist das bei uns mit den Aposteln Petrus und Paulus, deren wir heute gedenken:

Als diese zurzeit von Kaiser Nero in Rom in den sechziger Jahren nach Christi Geburt getötet wurden, wollten ihre christlichen Anhänger sie an einem bestimmten Ort weiterhin verehren. So bauten sie ihnen Kirchen über ihren Gräbern, einem Ort, wo sie sich jeden Sonntag versammelten und zu Gott beteten. Dort in der Nähe der Gräber fühlten sie sich ganz nahe an ihren Heiligen…

Sie wollten an diesem bestimmten Ort genau das tun, was ihnen die Apostel Peter und Paul immer wieder gesagt hatten: Einfach hören und darüber nachdenken. Und ich versuche mich in diese Zeit zu versetzen. Wie dürfte das damals abgelaufen sein? Damals hatte man noch keine Videos und CDs, sondern nur wenige Bücher und Briefe. Und so stellte sich einer hin, der lesen konnte, und las aus einem Brief des Paulus vor. Und das dürfte so ähnlich verlaufen sein:

Nachdem die Fans sich versammelt haben, beteten sie zu Gott, lobten und priesen ihn, so wie wir das ja auch in jedem Gottesdienst tun. Danach trat einer vor die versammelte Gemeinde und sprach: „Wir haben uns hier versammelt, um Gottes Wort zu hören, so wie es uns der Apostel Paulus verkündigt hat.

Im Brief an die Gemeinde aus Ephesus schreibt er:

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.“

Das ist der Text, der auf dem Papier steht.

Zuerst haben die Fans miteinander diskutiert und versucht den Text zu verstehen: Ja, das ist nicht einfach. … Was tun? Unter ihnen waren auch welche, die kannten die ganze Hl. Schrift und die meldeten sich zu Wort und sagten:

„Also Paulus will uns sagen, dass wir in einem schönen Haus wohnen, weil Gott uns nahe ist. Jeder von uns hat in diesem Haus einen wichtigen Platz und das wir alle in diesem Haus so richtige Heilige sind.“

Das hat vielleicht einer nicht so ganz verstanden und dazwischen gerufen: „Was? … Ich soll ein Heiliger sein, Bruder? … Das kann ich mir nicht vorstellen! … Für mich ist nur Paulus ein Heiliger Gottes!“ Dem widersprach ein anderer: „Halt! … Für mich ist nur Petrus ein Heiliger und die anderen Jünger. Aber Petrus ist für mich der größte unter Ihnen.“ Darauf meldete sich ein anderer: „Für mich ist die Jungfrau Maria, die Mutter Jesu, die größte Heilige. Alle andere gehören irgendwie dazu, aber Maria ist die größte Heilige.“ Und so begann nun eine große Diskussion und jeder wollte, dass man seinen Heiligen am meisten schätzt. Und was ganz schlimm dabei war, sie vergaßen noch über den biblischen Text zu sprechen.

Da meldete einer sich und sagte: „Also, so kommen wir nicht weiter! … Ihr seid ja wie Kinder, die von ihren Eltern was zu erben bekommen. Sie streiten über das Erbe, bevor sie sich das Testament angeschaut haben. So geht es ja nicht! … Also lasst uns lesen, was dort steht.“ Und so las nun einer vor, was Jesus in seinem Testament hinterlassen hat und was dort steht: Jesus fragt seine Jünger: „Was sagt denn ihr, dass ich sei? … Und Petrus antwortet ohne Zögern: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“

Nun wird allen klar, dass selbst Petrus auf Jesus hinweist und sagt: Den Jesus müsst ihr anbeten und nicht mich. Er ist unser Heiland! Nur er hat sozusagen einen direkten Bezug zu Gott. Und durch ihn sind wir alle mit Gott verbunden.“

Soweit Petrus!

Nun schauen wir mal, was der Apostel Paulus sagt: Der spricht das noch klarer aus: Der sucht sich als Beispiel ein Haus und sagt: So wie ein Haus gebaut wird und jeder Teil seine wichtige Bedeutung hat, so ist das auch mit dem Haus Gottes, das ihr zu seiner Ehre bauen sollt: Das Fundament, ein wichtiger Teil des Hauses, gründet auf dem, was die Propheten und Apostel gesagt haben. Nun wird das Haus aber von wichtigen Ecksteinen zusammengehalten, damit es überhaupt zu einem schönen Haus gebaut werden kann. Der Eckstein hält das ganze Haus zusammen.

Und dieser ist für uns Jesus Christus. … Ohne ihn bricht alles zusammen. In dieser Hinsicht sind die beiden Aposteln einig: Jesus Christus ist unser direkte Draht zu Gott.

Und jetzt kommt das wichtige: Aber Jesus hat sich das so gedacht, dass alle von uns passende Steine sind, mit denen das Haus zu seiner Erinnerung aufgebaut und zusammengehalten wird. Wir alle sind so Gottes ausgewählte Steine, die sein Haus zusammenhalten. Und wie jedes Haus braucht auch unser Gedächtnishaus ein Fundament: Und das sind die Propheten und die Apostel als Heilige und Vorbilder.

Und so wie alle Steine beim Hausbau wichtig sind, so ist das auch mit den Heiligen bei uns Christen: Alle sind wichtig und alle sind heilig, die das Haus aufbauen und weiterbauen auf das Fundament der Propheten und Apostel.

Und das hat ja auch über Jahrtausende gut funktioniert: Das Gedächtnishaus für Gott wächst und wächst immer weiter und breitet sich aus. Wir bauen auf das Fundament der Propheten und Aposteln und sind die lebendigen Steine, die Christus zusammenhält. Wir sind also alle die heiligen Gedächtnissteine Gottes, die er für seinen Gedächtnisbau braucht.

Und der Architekt und Baumeister von diesem Gedächtnishaus ist Gott selbst. Daher ist dieses Gedächtnishaus in erster Reihe ihm gewidmet.

 

Und nun folgenden Fragen zum Schluss für unsere Konfirmanden:

Wer ist nun der Baumeister und Architekt beim Gedächtnisbau für Michael Jackson? Wer oder was hält sein Gedächtnishaus zusammen?

 

(In der nächsten Konfirmandenstunde nach den Ferien wollen wir über diese Frage diskutieren)